Gordon


Gordon
I
Gordon
 
['gɔːdn], seit dem 13. Jahrhundert bezeugtes schottisches Adelsgeschlecht. Die Gordons taten sich in Großbritannien und auf dem europäischen Kontinent als Offiziere hervor; Anhänger der Stuarts; seit 1682 im Besitz des Titels Earl of Aberdeen. - Bedeutende Vertreter:
 
 1) George Hamilton-Gordon ['hæmɪltən-], Aberdeen, George Hamilton-Gordon, 4. Earl of A.
 
 2) Lord George, * London 26. 12. 1751, ✝ ebenda 1. 11. 1793, jüngerer Sohn des 3. Herzogs von Gordon, wurde Seeoffizier und 1774 Mitglied des Unterhauses. Er trat als Führer fanatischer Presbyterianer gegen eine Toleranzbill für die Katholiken auf; durch ihn kam es im Juni 1780 zu einem blutigen Aufstand in London (»Gordon riots«). Später wechselte Gordon zum Judentum über. Wegen einer Schrift gegen die englische Justiz verurteilt, starb er im Gefängnis.
 
 
J. P. de Castro: The G. riots (London 1926);
 G. F. E. Rudé in: Transactions of the Royal Historical Society, 5. Serie, Jg. 6 (London 1956).
 
II
Gordon,
 
1) ['gɔːdn], Adam Lindsay, australischer Schriftsteller, * Faial (Azoren) 19. 10. 1833, ✝ Brighton (bei Melbourne) 24. 6. 1870; in England erzogen; war in Australien zeitweise Polizist, Zureiter, Parlamentarier und legendärer Rennreiter; schrieb v. a. Gedichte über waghalsige Reiterabenteuer (»Bush ballads and galloping rhymes«, 1870), die volkstümlich-balladeske Motive mit viktorianischer Melancholie vereinen.
 
Weitere Werke: Gedichte: The feud (1864); Ashtaroth (1867); Sea spray and smoke drift (1867).
 
 
W. H. Wilde: A. L. G. (Melbourne 1972).
 
 2) ['gɔrdɔn], Aharon David, hebräischer Schriftsteller und Philosoph, * Trojanow (bei Schitomir) 9. 6. 1856, ✝ Degania (Palästina) 22. 2. 1922; lebte seit 1904 in Palästina. In zahlreichen Aufsätzen vertrat er den Gedanken einer Einheit von Mensch und Kosmos und einer Selbstverwirklichung nicht durch theoretische Erkenntnis, sondern durch ein aktives Leben in der Welt, wobei er im Volk das wesentliche Bindeglied zwischen Individuum und Kosmos sah. Seine stark von Vorstellungen L. N. Tolstojs geprägte Konzeption einer Religion der Arbeit (wonach eine sittliche Erlösung des Judentums sich in der Rückkehr zur körperlichen Arbeit, v. a. zur Landarbeit vollziehe) ließ ihn zum geistigen Führer der zionistischen Arbeiterbewegung werden.
 
Ausgaben: Gesammelte Werke (hebräisch), 3 Bände (1951-54).
 
Erlösung durch Arbeit (1929; deutsche Auswahl); Auswahl aus seinen Schriften, übersetzt von V. Kellner (1937).
 
 3) ['gɔːdn], Charles George, genannt Gordon Pạscha oder Gordon von Khartum, britischer General, * Woolwich 28. 1. 1833, ✝ Khartum 26. 1. 1885; diente 1855/56 im Krimkrieg, 1860 in China. 1863/64 unterdrückte er in chinesischen Diensten den Taipingaufstand (daher der Beiname »Chinese Gordon«). 1873/74-79 im Dienst des Khediven von Ägypten, festigte er zuerst als Gouverneur der ägyptischen Äquatorialprovinzen und (seit 1877) als Generalgouverneur des Sudan den britischen Einfluss in Ägypten; in beiden Gebieten bekämpfte er den Sklavenhandel. Anfang 1884 von der britischen Regierung wieder nach Khartum geschickt, um als Generalgouverneur den Sudan gegen den Mahdi zu behaupten, versuchte Gordon vergeblich, der wachsenden mahdistischen Bewegung Herr zu werden. Er fand bei der Erstürmung Khartums nach zehnmonatiger Belagerung den Tod.
 
Ausgaben: Publications of the Egyptian general-staff (1877); General Gordon's private diary of his exploits in China, herausgegeben von S. Mossmann (1885); The journals of Major-Gen. C. G. Gordon, C. B., at Khartoum, herausgegeben von A. E. Hake (1885).
 
 
A. Nutting: G. v. Khartum (a. d. Engl., 1967);
 J. Marlowe: Mission to Khartum. The apotheosis of General G. (London 1969).
 
 4) ['gɔːdn], Dexter, amerikanischer Jazzmusiker (Tenorsaxophonist), * Los Angeles (Calif.) 27. 2. 1923, ✝ Philadelphia (Pennsylvania) 25. 4. 1990; spielte in den 40er-Jahren in verschiedenen Gruppen des Swing und Bebop, u. a. bei L. Hampton, B. Eckstine und C. Parker. 1962-77 in Dänemark lebend, übte Gordon v. a. auf die europäische Jazzszene einen erheblichen Einfluss aus. 1986 spielte er die Hauptrolle in dem französisch-amerikanischen Film »Round midnight«.
 
 5) ['gɔrdɔn], Jehuda Leib, hebräischer Schriftsteller, * Wilna 7. 12. 1830, ✝ Sankt Petersburg 16. 9. 1892; schloss sich früh dem Wilnaer Aufklärungskreis an (Haskala-Literatur), in dem ihn v. a. M. Lebensohn beeinflusste, was in den biblischen Epen seiner ersten Schaffensperiode deutlich wird. Später wandte er sich in Gedichten und Dramen gegen den jüdischen Traditionalismus und trat für religiöse und soziale Reformen innerhalb des jüdischen Volkes ein. Obwohl er auch jiddische Lyrik verfasste, betrachtete er das Hebräische als die eigentliche jüdische Sprache. Er gilt als Schöpfer des hebräischen Feuilletons und wurde daneben mit Literaturkritiken und Übersetzungen bekannt; so wirkte er an der russischen Übertragung des Pentateuch mit und übersetzte Werke von Byron ins Hebräische.
 
 6) ['gɔrdɔn], Johann (John), kaiserlicher Oberst, ✝ um 1650; diente im Heer Wallensteins. Als Kommandant von Eger ließ er sich durch W. Graf von Butler für die Teilnahme an der Ermordung Wallensteins (24. 2. 1634 gewinnen.
 
 7) ['gɔːdn], Noah, amerikanischer Schriftsteller, * Worcester (Massachusetts) 11. 11. 1926; Gordon war u. a. journalistisch tätig und arbeitete zeitweise im medizinischen Notdienst; bereits sein Prosadebüt »The rabbi« (1965; deutsch »Der Rabbi«) war ein Achtungserfolg; seine weltweit zu Bestsellern avancierten Romane »The physician«(1986; deutsch »Der Medicus«), »Shaman« (1992; deutsch »Der Schamane«), »Matters of choice« (1995; deutsch »Die Erben des Medicus«), »The fast jew« (1999; deutsch »Der Medicus von Saragossa«) beziehen ihren Unterhaltungswert v. a. aus der Verknüpfung medizinischer Themen mit der populären Gattung des detailgenau recherchierten historischen Romans.
 
 8) ['gɔrdɔn, auch gɔr'dɔn], Patrick, russisch Pjotr Iwanowitsch Gordon, russischer General schottischer Herkunft, * Auchleuchries (Ostschottland) 31. 3. 1635, ✝ Moskau 9. 12. 1699; stand zunächst in schwedischen und polnischen, seit 1661 in russischen Diensten; war als Befehlshaber der modern ausgebildeten Regimenter 1689 maßgeblich an der Entmachtung der Regentin Sophie Aleksejewna durch Peter I. beteiligt, dessen engster militärischer Berater er bis zu seinem Tod blieb.
 
Ausgabe: Tagebuch, herausgegeben von M. C. Posselt, 3 Bände (1849-52).
 
 9) ['gɔrdɔn], Walter, Physiker, * Apolda 3. 8. 1893, ✝ Stockholm 24. 12. 1939; Professor in Hamburg (1930-33) und nach seiner Emigration in Stockholm; Arbeiten zur Quantenmechanik. Gordon formulierte 1926 etwa gleichzeitig mit O. Klein die für die Quantenfeldtheorie der Mesonen und Kernkräfte bedeutsame Klein-Gordon-Gleichung.

Universal-Lexikon. 2012.